Grenzgänger kommen nach Krefeld

Seit den ersten konzeptionellen Überlegungen zu dieser Ausstellung hat sich
in sehr kurzer Zeit sehr viel verändert. Wir sind auf dem Weg zurück in Zeiten,
in denen wir alle Grenzgänger waren, sobald wir unser Land verließen. Doch nicht
genug damit, dass das einst grenzenlose Europa inzwischen Vergangenheit ist,
auch in unseren Köpfen werden zunehmend wieder Grenzen eingezogen.

Wie weit wir uns in unserem gesellschaftlichen und politischen Alltag von
jenem Grenzbegriff entfernt haben, den der Philosoph Konrad Paul Liessmann
als die Freiheitserfahrung schlechthin bezeichnete, weil „Grenzen als
menschengemachte Konventionen nie absolut sind, sondern die Grenzüberschreitung
immer möglich machen“, zeigt zum Beispiel der Blick in soziale Netzwerke, in
denen bestenfalls die Grenzen des guten Geschmacks eingerissen werden. Schon
längst geht es nicht mehr um den von Erkenntnisdurst gespeisten Wunsch, die
Grenzen der eigenen Beschränktheit zu sprengen und weiterzugehen oder faustisch
gesprochen, herauszufinden, was die Welt im Innersten zusammenhält. Zunehmend
erleben wir vielmehr die Etablierung gewollter Intoleranz, die Abschottung und
Ausgrenzung all dessen, was als anders und damit eo ipso als bedrohlich gilt.

In dieser Situation vereint diese Ausstellung vier Künstler, die
als polnische Bürger mit deutschem Hintergrund sozusagen auf der Grenze
geboren sind, in eine Welt hinein nämlich, die geprägt war und ist von zwei
Mentalitäten, zwei Sprachen, zwei Kulturen, eine Welt, in der Grenzerfahrung
nicht nur unvermeidlich, sondern maßgeblicher Bestandteil der Sozialisation war.

Welche Rolle spielt dieser alltägliche Grenzgang in ihrem Lebensweg? Welchen
Einfluss hat er auf ihre Weltsicht, auf ihr künstlerisches Schaffen genommen?
Lassen sich Erfahrungen formulieren, die zumal in unserer heutigen Zeit von
besonderer Bedeutung sein können? Die Ausstellung versucht, auf diese und andere
mögliche Fragen Antworten zu geben.

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